Harte Fakten zum Studienbeginn

Wieso, Herbst?!
Der Herbst kommt, und mit ihm tausend Fragen: Warum ist Kleidung so kompliziert? Ziehe Ich die lange Unterhose über oder unter die reguläre U-Hose? Welches sadistische Arschloch hat den Windbreaker erfunden? Wer ist für die Bergung von Longboardern aus den kommunal angelegten Laubhaufen verantwortlich? Und was tun, wenn der Straßenverkehr kollabiert?
An der Universität bilden sich kilometerlange Staus, mittvierziger Mütter schmeißen ihren Sprösslingen die Brotdosen hinterher und weisen auf die ständigen Gefahren des Alltags hin: Der Joghurt im Turnbeutel, die Großen, die im Bus hinten sitzen und die größte aller Verführungen: das Rauchen. Auf dem Campus sind Abitur-Pullover aus allen Provinzen des Landes zu finden:

 

  • LABIrinth - 13 Jahre planlos zum Ziel. Wolfgang-Borchert-Gymnasium Halstenberg
  • KABItän Blaubär - Immer blau und trotzdem schlau. Kopernikus-Gymnasium Bargteheide.
  •  ABIkini - Knapp, aber passt schon. Graf-Friedrich-Schule Diepholz"

Ein Grimmepreisträger  jagt den nächsten.

Wasted German Youth
Statistiken belegen,  dass das Durchschnittsalter der Studienanfänger seit 1995 um 0,9 Jahre auf 21,6 Jahre gesunken ist.
Wenn dieser Trend sich fortsetzt, müssen spätestens im Jahr 2321 Kinderhochstühle in den Hörsälen und Mensen installiert werden.

Nicht nur das Alter,  sondern auch die Anzahl der Studienanfänger verändert sich.  G8, doppelte Jahrgänge,  Bildungsflüchtlinge aus Skandinavien und nicht zuletzt die Spätfolgen der letzten Rechtschreibreform sorgen für die Überflutung des Campus. Die Hochschulverwaltung verschließt vor diesem Trend die Augen und verfällt stattdessen in einen Selbstzerstörerischen Rausch (siehe Abbildung). Vermutlich empfahl Prof. Dr. Norbert Nübler, geschäftsführender Direktor des Instituts für Slavistik,  die Strategie der verbrannten Erde,  welche einst Napoleon im Russlandfeldzug gegen Zar Alexander I. in die Knie zwang.

CAU steckt Kopf in den Sand und verbrennt die Erde
Lebst du noch oder wohnst du schon?
Nicht nur auf dem Campus macht sich die neue Akademikerwelle bemerkbar. Auch der Wohnungsmarkt steht kurz vor der Implosion. Unterschiedliche Projekte des Studentenwerks und anderen Semiprivaten Wohnungsdienstleistern sollen die Bombe entschärfen. Nach dem großen Erfolg des 'Wohnen für Hilfe'-Programms, bei dem Studenten ihre Hand- und Spanndienste einem Rentner anbieten, und im Gegenzug ein ehemaliges Kinderzimmer als Lehen erhalten,  soll nun das nächste Konzept vom Stapel gelassen werden. Studenten teilen die Wohnung mit einem Tier. Arbeitstitel 'Haus oder Hütte?' Schlafen in der Scheune, Heuschoberromantik. Immer eine Idee voraus, diese Grünen.
Wem diese Programme aus menschenfeindlichen Gründen nicht zusagen, kann sich auf dem tertiären Wohnungsmarkt umsehen und wird schnell auf verlockende Angebote der hiesigen Burschenschaften und Studentenverbindungen stoßen. 
 
Die Vorteile: 
  • Ein Bund fürs Leben: Mietrecht ohne Laufzeitbegrenzung. 
  • Reine Männer-WG: Keine lästigen langen Haare in der Dusche. Kein Gezicke, kein Gezeter.
  • Spielend Lernen: Auf den traditionellen 'Kneipen' wird mit historischem Liedgut und altertümlicher Lyrik an 'die gute alte Zeit' erinnert.
  • Die Kosten: Für einen Spottpreis erhält man ein Zimmer in einer Stadtvilla in Toplage.

Doch schon Hegel wusste:

"Das dialektische Moment ist das eigene Sichaufheben solcher endlichen Bestimmungen und ihr Übergehen in ihre entgegengesetzten."

Oder anders gesagt: 'Ne Medaille hat immer zwei Seiten. Die Nachteile:

  • Die persönliche Integrität und Coolness wird an der Garderobe abgegeben
  • Bei offiziellen Veranstaltungen und teilweise auch im Uni-Alltag muss ein albernes Band getragen werden. Sieht aus wie ein Sicherheitsgurt aus den 1970er Jahren.
  • Das ewige Fechten: Schlagende Verbindungen schlagen sich die Zeit auf Mensuren tot. Vorsicht: Mit einem Schmiss sieht man weniger aus wie ein schmissiger James Bond Superschurke, vielmehr dient dieses Stigma als internationales Erkennungszeichen für völkische Vollidioten.

Aber wenn man Hegel zu Ende liest - was niemand tut - erkennt man im Umkehrschluss, dass aus allem Schlechten auch etwas Gutes erwächst. Nach Bush kam Obama, nach Regen kommt Sonnenschein, nach einer Saison im Abstiegskampf spielt Pauli um den Aufstieg, Ja, selbst Hitler hatte die Autobahnen.

So bietet die neostudentische Lebenswelt viel Potenzial für eine neue Sitcom: 
"Meine Villa, die Nazis und Ich"
Ein Junge aus kleinstädtisch-sozialdemokratischem Milieu - der Vater Ortsbeiratsvorsitzender, die Mutter Sozialpädagogin - tritt versehentlich der Alten Königsberger Burschenschaft Alemannia bei und wohnt nun Tür an Tür mit AfD-Würdenträgern und anderen völkischen Burschis. Er tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste, doch nach einiger Zeit schließen die Königsberger Klöpse den kleinen Sozi in ihr Herz und sie erleben gemeinsam viele Abenteuer. In einer Episode beklagt sich der junge Sozi über das völkische Auftreten seiner Burschen. Nach langem Streit einigen sich alle darauf, den Begriff 'völkisch' wieder positiv zu besetzen. Am Ende der Folge sitzen alle in der wöchentlichen Kneipe, lachen fröhlich und leugnen gemeinsam den Holocaust. Fin.

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